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Jazz Dress Sei es Flamenco, Klassik, Hard-Rock oder Grunge, jeder Musikstil hat auch seine typische Bekleidung hervorgebracht. So heißt es in Marc Miller, Louis ArmstrongKing of Jazz, München 1996 (aus dem auch die anderen Zitate stammen): Auch in Europa ging mit der neuartigen Musik eine neue Mode einher Hier einige Beobachtungen zum Thema Jazz-Dress an Hand von Fotos Anzug
a. Die meisten Jazz-Musiker tragen Anzug, z.T. mit Weste. Einreiher und Zweireiher sind gleich oft vertreten. Anzüge immer einheitlich. Ärmel immer so geschnitten, dass sie 1 bis 2 cm der Manschette freigeben.
Louis Armstrong, 2. von rechtsDunkler einreihiger Anzug, helle Weste, weißes Hemd mit Umlegekragen, Schlips, Einstecktuch, einfarbiger Oxford-Schuh b. Nach dem Anzug rangiert der Smoking, amerikanisch Tuxedo, meist einreihig, zum Teil mit Weste, an zweiter Stelle.
King Olivers Creole Jazz Band (Louis Armstrong knieend, Johnny Dodds auf dem Klavier)Smoking, Weste, weißes Hemd mit Stehkragen, Schleife, balmoral boots. Die balmoral boots sind besonders schön beim auf dem Klavier sitzenden Johnny Dodds zu erkennen.
Johnny Dodds und Louis Armstrong, von links Der Cummerbund, in Europa zum Smoking getragen, ist bei Jazz-Musikern nicht üblich. Louis Armstrong: Ich besorgte mir einen schicken Smoking und war ganz in ihn vernarrt. 50 Dollar für einen Smoking1924! Da weißt du, dass er wirklich schick war. Mezz Mezzrow beschreibt die Wirkung Armstrongs auf seine Fans: Nachdem sie gesehen hatten, wie schmuck und adrett Louis daherkam, wurden diese zerlumpten Jungs so von Selbstachtung ergriffen, dass sie anfingen, sich wirklich gut zu kleiden, und stolz darauf waren. Denn wenn Louis das tat, musste es richtig sein. Band-Jacket in einer typischen Bandfarbe zur andersfarbigen Hose
Louis Armstrong, mit Trompeteseine Begleitband trägt einheitliche Band-Jackets, er einen dunklen Anzug. Alle tragen cap-toe spectators Hosenträger Die Hose wird von Hosenträgern gehalten. Da der Gürtel aus der Arbeitskleidung stammt, wird er auf der Bühne nicht von Jazz-Musikern getragen. Hemd immer weiß, meist mit Klappmanschetten Kragen: zum Anzug Umlegekragen, ein Sonderfall ist der «Billy-Eckstine-Kragen», ein Mittelding zwischen Steh- und Umlegekragen zum Smoking Stehkragen, häufig aber auch Umlegekragen Einstecktuch so gut wie immer vorhanden, weiß meist Dreiecksfaltung, z.T. amerikanische (einfache) Faltung Louis Armstrong hielt außerdem immer ein Taschentuch in der Hand und rief damit eine richtige Mode ins Leben
Louis ArmstrongAnzug, weißes Hemd mit Umlegekragen, Schlips, wing-tip spectator, Taschentuch in der linken Hand Krawatte (eigentlich Kroatekroatisches Halstuch): zum Anzug fast immer Schlips, zum Teil auch Schleife zum Smoking meist Schleife, Schlips jedoch auch möglich bei Umlegekragen, selten Plastron, z.B. bei Ray Charles zum Band-Jacket häufig Schleife, jedoch auch Schlips Schlips-Bindung: meist einfacher Knoten, durch Armstrong wird auch der Windsorknoten in Jazz-Kreisen populär Buck Clayton: Armstrong war gerade aus dem Hotel gekommen und sah todschick aus. Sein Haar war gut frisiert und glänzte, und er trug einen feinen grauen Anzug. Seine Krawatte sah wie eine Ascotübrigens aus Krefeldaus, mit einem extragroßen Knoten. Pops war der erste, der in Los Angeles einen solchen Krawattenknoten vorführte. Bald banden alle, die ultraschick sein wollten, große Krawattenknoten. Wir nannten sie Louis-Armstrong-Knoten. Ich sah ihn nur ein paar Minuten, aber er hat mich schon allein durch seine Erscheinung wirklich beeindruckt. Schuhwerk Bühnenschuhe immer vom Typ Oxford, entweder als Halbschuh oder als halbhoher Stiefel Farbe: schwarzoder zweifarbig als Modell «Spectator». Armstrong trug gerne den wing-tip spectatormit geschwungener Kappe.
Der Spectator als wing-tip balmoral (mit geschwungener Kappe) und als cap-toe balmoral (mit gerader Kappe)
Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen lässt sich der «Jazz-Musiker-Schuh» definieren: Es ist ein sogenannter Oxford-Schuh, im amerikanischen wird dieser Schuh als «balmoral»nach dem gleichnamigen Schloss in Schottlandbezeichnet. Dieser Schuh hat eine aufgesetzte Zehenkappe und eine geschlossene Schnürung, d.h. die beiden Teile, an denen die Schnürung sitzt, sind nicht wie beim Wanderschuh (siehe unten) auf das Vorderteil des Schuhs, sondern unter das Vorderteil des Schuhs genäht.
Der Oxford-Schuh als wing-tip balmoral (Mitte) und zweimal als cap-toe balmoral
Das schlichte Oxford-Modell, cap-toe balmoralder klassische Jazz-Musikerschuh Auf Fotos aus den frühen 20er Jahren herrscht noch der Schnürstiefelz.B. bei Johnny Doddsvor, da dieser bis dahin das einzig gesellschaftlich akzeptierte Schuhwerk war. Erst Mitte der 20er Jahren setzt sich der heute übliche Schuh durch und heißt heute noch Halbschuh.
Der halbhohe Stiefelbalmoral boot das klassische Schuhwerk der 20er Jahre Freizeitschuhe
Der heute weit verbreitete Schuhtyp mit offener SchnürungDerby, engl. oder blucher, amerik.galt als Freizeitschuh und wurde von Jazz-Musikern nicht auf der Bühne getragen
Hier ein cap-toe blucher, die Freizeitvariante des cap-toe balmoral Der norwegian front blucher, den Louis Armstrong gerne in der Freizeit trug Wer Schuhe dieser Art sucht, wendet sich am besten an Sevan Minasian aus Fürth. Er ist auf Schuhe für Jazzmusiker spezialisiert. http://www.classicshoesformen.com
Lesen Sie, was er z. B. zum Spectator schreibt. "Die Geschichte des Two-Tone-Shoe, des Spectator oder Co-Respondent-Shoe stammt aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert als der Gentleman noch Gamaschen ueber seinen Schuhen trug. Eine Theorie besagt, dass die 2-farbigen Gamaschen in den Schuh selbst eingearbeitet worden sind. Der Herzog von Windsor, vielleicht der grösste Trendsetter für die Gentleman-Mode im 20. Jahrhundert, trug Spectators beim Golfen und die Oberschicht auf beiden Seiten des Atlantik nahm diese Neuerung schnell auf. (Ein Tip füer den Boulvardier: die Spikes auf den Golfschuhen lassen sich für den Strassengebrauch leicht entfernen!) Fred Astaire, ein anderer grosser und berühmter Trendsetter hat dem Spectator in einer Reihe von Filmen ‘Glamour’ verliehen und ganze Big-Bands und Bandleader wie Count Basie und Louis Armstrong trugen sie. Nicht zuletzt waren sie äusserst beliebt in der Gangster-Kultur der 30er. In jedem Fall erfreute sich der Spectator grosser Popularität in den 20ern und 30ern, die erst in den 50ern etwas nachliess. Heute geniesst der Spectator wieder erneute Popularität in der Garderobe des wohlhabenden, gut gekleideten Herren und es gibt keinen wichtigen, modernen Schuhmacher, wie Lobb, Green, Church’s, Crockett, Alden, Allen Edmonds, (gar nicht zu sprechen von den grossen leider nicht mehr existierenden Firmen), die wenigstens einen Spectator in Ihrem Repertoire haben. Der Spectator ist ein perfekter Drei-Jahreszeiten-Schuh, ideal für Kakhi-Hosen, für weisse oder beige Hosen, den blauen Blazer so wie den Tweed Blazer und für viele weitere Kombinationen. Ein unerlässlicher Schuh für Picknicks, die Strand-Promenade, Garten-Parties, Strassen-Cafés, zum Schaufenster-Bummel oder zum Tee mit Thomas Mann im Hofgarten. 'King or Commoner', der Spectator ist der Schönwetter-Schuh des Gentleman."
Louis Armstrong in Freizeit-Kleidung Gamaschen auf Fotos aus den 20er Jahren tragen viele Musiker Gamaschen, danach nicht mehr. Allerdings trägt Armstrong bei Promotion-Fotos aus dem Jahre 1933 noch welche.
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